Tätowierung
Eine Tätowierung (wissenschaftlich auch Tatauierung)
ist ein Bild oder auch Text, das bzw. der mit Tinte
oder anderen Farbpigmenten in die Haut eingebracht wird.
Heute wird die Farbe in der Regel mit Hilfe einer
Tätowiermaschine durch eine oder mehrere Nadeln
(je nach gewünschtem Effekt) unter die oberste Hautschicht
gestochen und dabei ein Bild und/oder ein Text gezeichnet.
Ursprung und Entwicklungen
Es kann davon ausgegangen werden, dass wahrscheinlich jede Ethnie der Erde zu
irgendeinem Zeitpunkt ihrer Entwicklung die Sitte des Tätowierens kannte und ausübte.
Strittig ist hingegen, wo sich die Tätowierung schwerpunktmäßig entwickelt hat.
Immer wieder wurde versucht, die Tätowierung vom Ursprung her einem bestimmten
geografischen Gebiet zuzuordnen.
Die ältesten Belege für das Vorkommen von Tätowierungen stammen aus dem europäischen Raum.
Die Gletscher-Mumie Ötzi trug bereits vor über 5000 Jahren mehrere aus Holzkohle bestehende Zeichen,
die mit Nadeln unter die Haut gebracht wurden.
Diese Zeichen kann man somit als die ältesten bekannten Tätowierungen bezeichnen.
Besonders aufwändige und großflächige Tätowierungen sind von den eisenzeitlichen Skythen,
dem Reitervolk der russischen Steppengebiete und der Kaukasusregion, bekannt.
Dieser Umstand scheint die häufig anzutreffende These, dass die Sitte des Tätowierens
ursprünglich aus dem südwestasiatischen Raum stammt, sich von dort über Ägypten nach
Polynesien und Australien ausgebreitet hat und schließlich nach
Nord- und Südamerika weitergetragen wurde, zu widerlegen.
Entgegen einer Vielzahl von Theorien, die allesamt versuchen,
den Ursprung der Tätowierung in einen bestimmten geografischen Raum zu pressen,
kann anhand der vielfältigen und über den ganzen Erdball verstreuten Hinweise
davon ausgegangen werden, dass sich die Sitte des Tätowierens bei den
verschiedenen Völkern der Erde selbständig und unabhängig voneinander entwickelt hat.
In seiner ursprünglich wohl ausschließlich rituellen Bedeutung ist es später zumeist in
Mikronesien, Polynesien, bei indigenen Bevölkerungen und
z. B. auch den Ainu und den Yakuza (Japan) verbreitet.
Technik
Der Vorgang der Tätowierung besteht grundsätzlich in einer Punktierung der Haut,
wobei gleichzeitig mit dem Durchstechen ein Farbstoff in die Haut eingebracht wird.
Hierbei ist darauf zu achten, dass der Stich weder zu oberflächlich noch zu tief angebracht wird.
Im ersten Fall würde der eingelagerte Farbstoff lediglich in die Zelllagen der Epidermis eingebracht werden.
Dies hätte zur Folge, dass bei der fortwährenden Erneuerung dieser Hautschicht ein
Abwachsen und eine Abstoßung der Farbteilchen nach außen gleichzeitig mit den
Epidermiszelllagen erfolgen würde.
Im zweiten Fall, wenn also der Stich zu tief in die Haut vorgenommen wird,
kommt es durch die auftretenden Blutungen zu einem Auswaschen der Farben.
Dauerhaft haltbar sind diejenigen Farbpigmente, die in der mittleren Hautschicht (Dermis)
und zwar im Zelltyp der Fibroblasten eingelagert sind.
Die im Westen gebräuchlichste Methode ist das Arbeiten mit einer elektrischen Tätowiermaschine.
Hier wird z. B. mit Hilfe zweier Spulen ein Feld erzeugt, das eine Anzahl feiner,
an eine Stange gelöteter Nadeln schnell vor- und rückwärts bewegt.
Eine weitere Tätowiermaschine arbeitet mit einem Elektromotor, der über einen Exzenter
die Auf- und Abwärtsbewegung erzeugt. Diese Maschinenart wurde um 1970 von dem Frankfurter
Horst-H. "Samy" Streckenbach (1926–2001) entwickelt und gebaut.
Streckenbach und sein Schüler Manfred Kohrs (Hannover) haben 1976 die deutschen Tätowierer
- seinerzeit waren in Deutschland nur 14 Tätowierer tätig
- zur ersten Vereinigung zusammengeführt, um einerseits die hygienischen Bedingungen zu verbessern
und andererseits der Tätowierkunst in der Öffentlichkeit das Stigma
des verruchten und halbseidenen Habitus? zu nehmen.
Die Geschwindigkeit ist abhängig von den einzelnen Tätowiermaschinen,
der Technik und dem gewünschtem Effekt, z. B. Linien oder Schattierungen,
liegt aber zwischen ca. 800 bis 3500 Bewegungen pro Minute.
Die Tinte hält sich dank einer Kapillarwirkung zwischen den Nadeln
und wird durch die Schnelligkeit der Bewegung ähnlich leicht in die Haut gebracht,
wie beim Zeichnen mit einem Stift auf Papier.
Im Gegensatz zum Papier wird die Haut aber mit der einen Hand unter Spannung gehalten,
die andere Hand bringt das Bild ein.
Neben dieser Technik des Tätowierens existieren noch viele weitere Möglichkeiten,
dauerhafte Hautzeichnungen herzustellen.
Zu nennen wäre hier beispielsweise das Einschneiden der Haut und ein Einreiben der Wunde mit Tinte,
Asche oder sonstigen farbgebenden Stoffen, oder das Tätowieren mit Nadel und Faden,
bei dem eine mit Faden umwickelte Nähnadel in Tinte getaucht und dann in die Haut gestochen wird.
Zurück bleiben hierbei die typischen so genannten Knasttattoos –
unter der Haut verlaufene Tintenkleckse formen die berühmten drei Punkte,
Tränen, Namenszüge oder primitive Bildchen.
Es gab und gibt in der langen Geschichte der Tätowierung aber noch andere manuelle Tätowiertechniken.
Bei den Völkern Polynesiens war eine Art Tätowierkamm gebräuchlich,
der aus verschiedenen Pflanzenteilen oder Knochen hergestellt wurde und an einem langen Stab befestigt war.
Die Spitzen des Kammes wurden durch rhythmisches Schlagen auf den Griff in die Haut getrieben,
wo sie eine Tinte gemischt aus Wasser und Asche oder verbrannten Nüssen einbrachten.
Diese Kämme gab es in unterschiedlichen Breiten, sie hinterließen aber immer Linien, niemals Punkte.
Die Irezumi genannten traditionellen japanischen Tätowierungen werden auch heute noch häufig manuell gefertigt,
obwohl sich westliche Tätowiermaschinen auch in Japan längst großer Beliebtheit erfreuen.
Hierzu dienen Nadeln, die, wie bei einem Pinsel, an langen Bambusgriffen befestigt sind.
Diese Technik erfordert sehr viel Übung, erlaubt aber dem Meister der sie beherrscht,
durch Variation in der Tiefe des Stiches seine Tätowierungen mit großer Präzision und Kontrolle herzustellen.
Die Inuit hingegen zogen mit Farbe getränkte Fäden oder Sehnen unter der Haut hindurch,
um eine dauerhafte Zeichnung zu erhalten. Die wohl bekannteste Form der unfreiwilligen Tätowierung,
die auf dem gleichen Prinzip beruht, ist die so genannte "Schmutztätowierung".
Ganze Generationen von Fußballspielern tragen zeitlebens Aschepartikel unter der Haut ihrer Knie,
die bei einem Sturz durch Schürfwunden dorthin gelangten.
Gesellschaftliche Bedeutung
Besonders deutlich tritt zutage, dass die Tätowierung bei all den beschriebenen Funktionen
eine eminent wichtige Rolle bei der Regulierung des sozialen Miteinanders hat.
Egal ob es sich hierbei um die Stärkung des Gruppenzusammenhangs,
die lebens- und überlebensnotwendige Hervorhebung oder Abgrenzung von anderen Individuen
oder die Artikulation von politischer Kritik handelt, wirkt die Tätowierung als Vermittler
oder Katalysator zwischen verschiedenen Gruppen und/oder Individuen.
Auffällig ist, dass es sich bei den beschriebenen Bereichen grundsätzlich
um Problemlagen oder Situationen handelt, die eine tiefe emotionale,
häufig sogar existenzielle Bedeutung für das Individuum oder die Gruppe haben.
Dieser Umstand beantwortet möglicherweise auch die Frage,
warum die hier von der Tätowierung übernommenen Funktionen bis heute nicht durch andere,
zeitgemäßere Interaktions- bzw. Kommunikationsmittel übernommen wurden.
Kein anderes Medium bietet eine so tiefe physische und psychische Nähe
zum Träger/Akteur wie die Tätowierung. So erscheint es nur konsequent,
wenn sich die betroffenen Individuen ihrer
- oberflächlich betrachtet entgegen aller Opportunität und Vernunft bedienen.
- Handelt es sich bei den betreffenden Individuen ohnehin um Personen oder Gruppen,
die kein ernsthaftes Interesse oder
- keine Hoffnung auf eine Veränderung der augenblicklichen Situation haben wird die Wahl einer Tätowierung als adäquates Ausdrucksmittel um so nachvollziehbarer.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Tätowierung auch heute eine,
wenn auch nur für eine begrenzte Anzahl von Individuen,
wichtige Bedeutung innerhalb der Sozialbeziehungen zukommt.
Diese Funktion kann sie nur deshalb erfüllen,
weil sie immer sowohl einen intra- als auch einen interpersonellen Charakter hat.
Tätowierung in Japan
Eine sehr lange Tradition haben Tätowierungen (jap. Irezumi) in Japan.
Die Anfänge der Tätowierung in Japan liegen vermutlich bei den Ainu, den Ureinwohnern.
Zu Beginn der Edo-Zeit (1603–1868) waren Tätowierungen unter anderem bei
Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt.
Ab 1720 wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt,
was dazu führte, dass sich "anständige" Japaner keine Tätowierungen mehr machen ließen.
Wer auf diese Weise gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern,
was zur Bildung einer eigenen Schicht führte: den Yakuza.
Unter der Meijiregierung wurde 1870 diese Praxis zwar abgeschafft,
allerdings wurden auch die Tätowierungen komplett verboten,
was erst 1948 wieder aufgehoben wurde.
Obwohl stilistisch sehr einheitlich, gibt es eine große Vielfalt an Motiven.
Oft sind es mythologische Wurzeln, wie in Form von Drachen oder Dämonen,
die häufig aus Sagen stammen und eine ganze Geschichte erzählen.
Oder es gibt Symbole wie Kirschblüten (Schönheit und Freude, aber auch Vergänglichkeit)
und Kois (Erfolg, Stärke und Glück).
Ein interessanter Stil mit blutigen und grausigen abgehackten Köpfen entwickelte sich,
als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gruselgeschichten in Japan äußerst populär wurden.
Eine typisch japanische Eigenart ist, sich zeitlebens nur von einem einzigen Künstler tätowieren zu lassen;
oftmals entstehen daraus über Jahre hinweg großflächige Gemälde auf dem ganzen Körper.
Auf Grund ihrer Geschichte sind Tattoos in Japan noch immer stigmatisiert und werden oft als
Verstrickung ins kriminelle Milieu interpretiert.
Sie sind noch immer ein wichtiger Bestandteil der "Yakuza-Kultur"
(vor allem die den kompletten Torso einnehmenden, so genannten Bodysuits).
In manchen öffentlichen Bädern wird Menschen mit großflächigen Tattoos immer noch der Eintritt verweigert.
Aber ebenso wie im Westen werden Tattoos gerade bei jungen Japanern immer beliebter
und dadurch einer breiteren Gesellschaftsschicht vertraut.
Heutzutage gibt es in Japan viele weltweit bekannte Tätowierer (zum Beispiel Horiyoshi III),
die ihr Können jeweils an ihre Schüler weitergeben.
In letzter Zeit erfreuen sich auch in westlichen Kulturen Tattoos
im japanischen Stil wachsender Beliebtheit.
Neueste Tendenzen
Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des Matrosen oder Sträflings,
erfreuen sich aber spätestens seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder größerer Beliebtheit
und sind vorwiegend Ausdruck einer Jugendkultur,
die im Rahmen ihrer auf das äußere Erscheinungsbild gestützten Identitätsfindung auch mit Techniken wie dem Piercing,
Branding auf archaische Praktiken vorzivilisatorischer Kulturen zurückgreift.
Auch in die Welt der Kinder ist die Tätowierung mittlerweile vorgedrungen,
wenn auch nur in Form von Klebebildern, die sich leicht wieder entfernen lassen,
aber auch unter dem Begriff "Tattoo" firmieren.
Analog dazu finden sich auch sogenannte Hennatattoos,
die nicht in die Haut gestochen sondern aufgemalt werden.
Dieser Stoff wird vom Körper nach einigen Wochen abgebaut und die Tätowierung verschwindet so spurlos.
Diese Entwicklung zeigt ebenfalls die Annäherung des Tattoo an den Mainstream,
ermöglicht sie doch eine Tätowierung gleichsam als Modeaccessoire.
Auch das Phänomen des Biotattoos ist bekannt.
Angeblich verschwindet diese Art der Tätowierung nach einigen Jahren von selbst wieder,
weil nicht so tief gestochen wird.
In Wirklichkeit geschieht dies aber nur in den seltensten Fällen, wenn überhaupt,
da es quasi unmöglich ist, so genau zu arbeiten, dass weder zu flach
(das Tattoo verschwindet schon während der Heilung)
noch zu tief (das Tattoo bleibt) gestochen wird.
Mindestens Teile oder ein Schatten des Tattoos bleiben zumeist erhalten
und ver(un)zieren den Körper für immer.
Es wird daher von seriösen Tätowierern vor solchen Biotattoos gewarnt,
außerdem würden sie ohnehin den Charakter der Tätowierung entfremden.
Pflege
Das Tattoo sollte kurz nach dem Stechen mit einem provisorischen Verband versorgt werden,
damit vorerst keine Luft und kein Dreck die Tätowierung beschädigen kann.
So haben die Poren Zeit, sich ohne äußere Einflüsse von innen zu schließen
und noch einmal Wundwasser aus der leichten Wunde zu drücken.
So ein Verband sollte alle 10 - 16 Stunden gewechselt werden, am besten unter der Dusche.
Der Verband und das Verbandsmaterial wird vorsichtig durchnässt und dann vorsichtig entfernt.
Die frische Tätowierung zweimal kurz hintereinander vorsichtig mit lauwarmen Wasser und Seife waschen.
Möglichst keine Parfum-Seife nehmen, es könnte sonst zu Hautirritationen kommen.
Auf keinen Fall zum Abwaschen einen Waschlappen nehmen, sondern nur die Hände,
denn Waschlappen sind fast immer zu rau dafür!
Alles kurz mit kaltem Wasser abspülen und mit einem fusselfreien Tuch
( wie Küchenrolle) vorsichtig abtupfen. Am gleichen Tag die Prozedur noch ein-bis zweimal wiederholen,
um die manchmal aus dem Tattoo austretenden Wundwasserperlen loszuwerden.
Am darauffolgenden Tag Abends zum ersten Mal vorsichtig und hauchdünn eine
Wund- und Heilsalbe aus der Apotheke (oder direkt vom Tätowierer) auf das Tattoo cremen (!).
Alles täglich 2 - 3mal wiederholen, bis Schorf (Grind) vollständig und von alleine abgefallen ist.
Nicht dran herumkratzen! Damit werden nämlich sonst Farbpartikel zerstört,
die dann der Tätowierung fehlen würden.
Gegen Jucken helfen leichte Schläge gegen das Bild mit der flachen Hand oder erneutes vorsichtiges Eincremen.
Nach etwa einer Woche beginnt sich der Schorf über dem Tattoo herunterzuschälen.
Die angestochenen Hautpartien fangen an sich abzulösen.
Darunter kommt eine relativ stark glänzende Haut hervor.
Das ist die erste neu gebildete Haut über der frischen Tätowierung,
unter der die eingestochenen Farbpigmente deutlich zu erkennen sind.
- Keine Vollbäder, Sauna, Chlorbäder und Schwimmhallen, bevor das Tattoo nicht verheilt ist.
- Das Bild könnte aufweichen und aufquellen.
- Jede frische Tätowierung ist wie eine Wunde! Also Rücksicht nehmen.
- Mindestens 3 - 4 Wochen weder Solarium noch Sonneneinstrahlung.
- Auch danach noch ausreichend Sonnenschutzcreme gegen die UV-Strahlung benutzen.
Gesundheitsgefahren
1- Infektionsgefahr
Eine Tätowierung erzeugt oberflächliche Wunden auf der Haut.
Wie bei jeder Wunde besteht deshalb das Risiko einer Infektion.
Deshalb müssen beim Tätowieren strenge Hygienevorschriften eingehalten werden.
2- Gesundheitsschädliche Farbstoffe
Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Teil der Farbstoffe nach längerer Zeit auch in den Körper gelangen.
Da es, im Gegensatz zu Kosmetika, für die verwendeten Farben kaum gesetzliche Vorschriften gibt,
enthalten diese oft zum Beispiel Schwermetallverbindungen als Pigment.
Außerdem gelten insbesondere Azo-Farben als problematisch,
da sie unter Einwirkung von UV-Licht in gesundheitsschädliche Stoffe zerfallen.
3- Entfernung
In den letzten Jahren wurden Tattoos mehr und mehr zu einer Modeerscheinung
(siehe beispielsweise Steißbeintätowierung/Arschgeweih).
Früher aus innerem Antrieb und "tiefer Verbundenheit" zu ihrer Tätowierung,
tragen heute viele Menschen diese, um einem Trend zu folgen.
Mit dem Abklingen dieser Mode wächst bei vielen der Wunsch, das Tattoo wieder entfernen zu lassen.
Doch schon früher versuchten Menschen, ihre Tätowierungen wieder loszuwerden.
54 nach Christus beschrieb ein griechischer Arzt eine Paste aus Knoblauch und Cantharidin,
die die Haut absterben ließ und so die Tätowierung entfernen sollte.
Nach dieser Methode, die Haut und damit die Farbstoffe in ihr wegzuätzen,
wurde lange Zeit vorgegangen, um unliebsame Tätowierungen loszuwerden.
Eine weitere Möglichkeit war das Abhobeln der Haut und damit der Farben.
Bei unprofessionell gestochenen Tätowierungen, bei denen die Farbpigmente in unterschiedlichen Hautschichten liegen,
bleiben dabei leicht noch Schatten sichtbar.
Sind diese Entfernungen nicht erfolgreich, kann auch das entsprechende Hautstück herausgeschnitten werden,
was wie die anderen beschriebenen Methoden stark sichtbare Narben hinterlässt.
In Japan wird in seltenen Fällen die Epidermis mit Hilfe von Enzymen
von der Dermis getrennt und wieder aufgesetzt.
Bei der Entfernung von Tätowierungen steht heute vor allem die
Rubinlaser-Therapie wegen ihrer relativ guten Ergebnisse,
ihrer guten Verträglichkeit und ihres hohen Entwicklungsstandes im Vordergrund.
Bei der Entstehung einer Tätowierung werden im Heilungsprozess
(bis etwa zwei Wochen nach dem Stechen) die Farbpigmente durch körpereigene Kollagene eingekapselt.
Der Körper kann daher die Farbpigmente nicht mehr abbauen, die Tätowierung bleibt erhalten.
Mit Einsatz eines Rubinlasers lassen sich diese Kollagenkapseln "aufbrechen",
sodass der Organismus mit einer Zersetzung der Farbstoffe beginnen kann.
Allerdings folgt dem eine erneute Einkapselung, was Wiederholungen der Lasertherapie
(in der Regel zehn Sitzungen) erforderlich macht.
Während des Therapieverlaufs lässt sich eine Verfärbung des Tattoos erkennen,
dies liegt an den unterschiedlichen Abbaugeschwindigkeiten der Pigmente einer Farbe.
Früher wurden allerdings häufig Farbstoffe eingesetzt,
die nur schwach bis gar nicht abgebaut werden können.
In diesem Fall bleibt auch eine Rubinlaser-Therapie fast wirkungslos.
Ferner gibt es zum Entfernen einer Tätowierung noch weitere Methoden, zum Beispiel die Diathermie.
Diese zerstört mit Hilfe von Mikrowellen umliegende Hautzellen,
welche beim Heilungsprozess mit den Farbpigmenten abgeschieden werden.
Piercing
Wenn man sich piercen lässt, wird die Haut durchstochen und mit dem dauerhaften Einsatz eines Schmuckstückes an einer bestimmten Stelle geschmückt und verziert. In vielen Kulturen dient bzw. diente es dem Betonen bestimmter Dinge und erfüllte auch erotische Zwecke. Schon die alten Römer benutzten das Piercing und dessen schmückenden Effekt zu praktischen Dingen. So wurde z.B. die Tunika darin eingehängt bzw. entsprechend damit über die Brust geformt. Beispielhaft sei hier auch die Saga von Prinz Albert (das Genitalpiercing - Prinz Albert) angeführt. Im asiatischen und polynesischen Raum sind von den Ureinwohnern derartige Dinge hinlänglich bekannt, auch aus Afrika und anderen Teilen unserer Welt. In der heutigen Zeit fließen diese Einflüsse der Geschichte ineinander. Daraus resultierend ergeben sich viele Arten von Piercing und eine Vielzahl von Anbringungsorten.
Es gibt sehr viele Stellen, die gepierct werden können.
Pflegetips zu den jeweiligen Piercing erhaltet Ihr schriftlich bzw. mündlich bei dem vorab stattfindenden Gespräch. Wenn Ihr noch nicht volljährig seid, benötigt Ihr eine Einverständniserklärung der Eltern oder diese müssen persönlich zugegen sein.
Viele Piercings begegnen uns alltäglich, manche jedoch werden nur vereinzelt getragen. Eingeschlossen die Extremen Formen (Kehlkopf, Kopfhaut, Armbeuge, u.ä.). Letztendlich muss jeder das jeweilige Piercing mit sich selber in Einklang bringen und entsprechend pflegen und warten.
Folgend einige Piercings, deren Platzierung und Tipps. Beachtet immer, lasst Euch gutes Material einsetzen, am besten Titan bzw. 750er / 18k Gold!
Augenbrauen
Hier gilt, von außen nach innen. Je weiter innen, desto gefährlicher (Nervenstränge für die Gesichtsmimik). Ringe sehen gut aus, wachsen jedoch meist sehr schnell heraus und bergen auch Unfallgefahren. Besser sind hier Banabells. Diese liegen anatomisch und sind nicht so unfallträchtig.
Verheilzeit ca. 4 - 6 Wochen
Ohren
Eine heikle Sache - nicht das Ohrläppchen - sondern alle Knorpelteile. Wenn Knorpel durchstochen wird, setzt ein mitunter langwieriger Heilungsprozeß ein. Dies ergibt sich aus der Nährstoffarmut des Knorpels. Kritische Stellen sind z.B. der Tragus, obwohl sehr beliebt, und der Rest der Muschel. Das A und O ist deshalb hier die Pflege - Seife hat z.B. an einem frische gestochenem Tragus nichts verloren.
Die Heilungsdauer kann hier unter Umständen Monate betragen.
Nase - Nasenflügel
Die Nasenscheidewand (auch Septum). Der Piercing im Nasenflügel sollte nie über einen längeren Zeitraum entfernt werden, da der Stichkanal sehr schnell verwächst, mitunter schon innerhalb weniger Stunden. Septum sollte immer von einem Profi gestochen werden. Hier gehört sehr viel Erfahrung und Können dazu, denn es soll ja gerade plaziert sein.
Heildauer hier ca. 4 Wochen
Zunge
Dieses Piercing stellt eine kleine Besonderheit dar. Es wird ein Muskel durchstochen. Das Stechen selbst ist relativ schmerzlos, viele wundern sich hinterher, daß es so unproblematisch war. Vorteil: Die Zunge verheilt bei entsprechender Pflege mit am schnellsten, meist schon innerhalb von 2 - 4 Wochen, hier hilft nicht nur Eure Pflege (spülen, nicht rauchen, etc.) sondern auch Euer Speichel sehr viel mit. Wichtig ist hier die Plazierung des Stabes!
Unterlippe (und Oberlippe)
Meist wird dieses Piercing mittig eingesetzt, jedoch ist eine Plazierung auch seitlich möglich. Die Heilungsfristen hier sind ca. 1 - 2 Monate, bei seitlichem Einsatz verlängert sich dies etwas.
Bauchnabel
Ein sehr beliebtes und schönes Piercing - unkritisch als solches und kombinierbar. Ausdauernde Pflege hier ist sehr wichtig.
Heilungsdauer: hier sollte man 6 - 12 Wochen einplanen.
Brustwarzen
Bei Frauen immer kritisch zu betrachten, bei Männern etwas unproblematischer. Die Abheilzeit gleicht der des Bauchnabels.
Intim - Frauen
Klitoris
Nicht jede Frau kann ein derartiges Piercing tragen, abhängig ist dies jeweils von der Anatomie (Größe der Klitoris). Er kann sehr schmerzvoll sein, bei falscher Plazierung kann auch eine völlige Gefühlslosigkeit eintreten.
Die Heilungsdauer beträgt hier ca. 5 Wochen.
Klitoris Hood
Ebenfalls abhängig von der jeweiligen Anatomie der betreffenden Frau, aber sehr beliebt und schön, die Schmuckstücke können horizontal oder vertikal getragen werden.
Die Heilungsdauer ist recht kurz, im Durchschnitt 4 Wochen.
Labien (innere und äußere)
Die durchschnittliche Heildauer hier ca. 4 Wochen. Ein sehr beliebtes Piercing, unproblematisch und schön.
Fourchette
Ein Piercing, welches vertikal am hinteren Treffpunkt der inneren Schamlippen gesetzt wird. Es ist kritisch zu betrachten, da es bei bestimmten Geschlechtspraktiken zu Problemen führen kann. Im weiteren sei auch die Anatomie mit angeführt, denn nicht jede Frau kann dieses Piercing tragen.
Die Heilungszeit beträgt ca. 4 Wochen.
Intim - Herren
Gegenüber den Frauen gibt es hier einige mehr. Über die einzelnen Piercings besprecht Euch detailliert mit Eurem Piercer, da es hier Stellen gibt, die sehr heilungsintensiv und blutig sind. Zu bedenken sind auch immer die anatomischen Veränderungen z.B. im Penis. |